Schlagwort: Kurzroman

Fische in Aquarien

Auszug aus dem Bericht des Fredenheimer Kuriers über eine Veranstaltung der Grünen, Ortsgruppe Fredenheim/Detten, am Dienstag, 11. März 2014

»Fische, die ihr sogenanntes Leben in einem Aquarium fristen, sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt sind«, hatte der Referent und grüne Aktivist Herr Rübeswinkel schon eingangs als These ausgegeben. Die zahlreichen Teilnehmer der Vortragsreihe Geprelltes Biotop, die in der Wandelhalle des Thermalbades alle zwei Wochen stattfindet, erhoben sich, um die Wasserproben zu kosten, die Herr Rübeswinkel mitgebracht hatte, »aus originalverseuchten Aquarien heimischer Zoogeschäfte«, wie er versicherte. Elsa Kattenbaum vom Referat Tödliche Welten trat als erste vor und nahm einen gehörigen Schluck. Die anderen warteten. Sie wollten zunächst ihren Kommentar hören. Frau Kattenbaum nickte und sagte, alles, was Herr Rübeswinkel vorgebracht habe, könne sie mit heißer Feder unterschreiben. Daraufhin nahmen auch die anderen Teilnehmer einen Schluck vom Wasser originalverseuchter Aquarien.

Aus: Die Fredenheim Fragmente (H.J. Teschner)

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Ein gutes Gespräch, das ich mit Corinna führte

MasterMenschen-26

 

»Ich habe mal ein Foto von einer Frau in einem roten Rock geschossen.«
»Ja und«, sagte Corinna.
»Sie stand vor einer Wand und betrachtete ein Foto, auf dem eine Frau in einem roten Rock abgebildet war.«
»Das ist nichts«, sagte Corinna, »ich habe selbst schon einmal vor einer Wand mit einem Foto gestanden.«
»Vor einem Foto mit einer Frau in einem roten Rock?«
»So ist es«, sagte Corinna.
»Aber du hattest keinen roten Rock an?«
»Nein, ich hatte eine blaue Jeans an«, sagte Corinna.
»Siehst du«, sagte ich, »das ist der Unterschied.«

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Künstliches Gemüse

Um künstliches Gemüse herzustellen braucht es viel Chemie und eine Rührtrommel. Die einzelnen Verfahrensschritte unterscheiden sich, je nachdem Brokkoli, Salat oder Rotkohl erzeugt werden soll. Da der Verbraucher nicht merken soll, dass seine Mahlzeit aus dem Retortenbottich kommt, werden Form- sowie Festigkeitszusätze eingeschlemmt, die, nachdem ein artverwandtes Gen den Gerinnungsprozess in Gang setzt, die Brühjauche zu makellosen Exponaten der landwirtschaftlichen Produktpalette ausreifen lässt. Mitunter kommt es vor, dass mutationsbedingte Missgeburten resp. Fehlkreationen aus den Bottichen gespült werden, wie z. B. aufgedunsene Schweine oder einmal sogar ein achtbeiniger Ziegenbock, aber das sind Ausreißer, die nicht in den Kochtopf des Verbrauchers gelangen.

Einfacher gestaltet sich die Fabrikation einer künstlichen Mettwurst, vergleichbar der Herstellung eines künstlichen Darmausgangs. Aber wer will es sich schon einfach machen?

 

Einheimische – Ausheimische

Einheimische, das sagt schon das Wort, heimen ein, und zwar in der Heimstatt ihres zentralen Aufenthaltes, aber auch, weiter gefasst, in der Region, die sie beheimen, und wo sie, wie man richtig unterstellt, ihre Wurzeln haben. Ausheimische müssen demnach Einheimische sein, die ausgeheimt haben oder wurden bzw. sich in einem ausheimischen Ort ihres Daheimseins niedergelassen haben. Wenn Ausheimische, deren Wurzeln ohnehin in entfernten Regionen stecken, sich in Regionen einheimen wollen, die abseits dieser ihrer eigentlichen Wurzelregion liegen, welche man als primäre Heimstattregion anzusehen nicht abstreiten kann, dann kommt es zu dem Fall, dass der nunmehr ins Neueinheimische konvertierende Alteinheimische gleichzeitig ein Ausheimischer ist, denn seine Wurzelregion ist von hier aus betrachtet ausheimisch gelegen. Da der Ausheimische aus Gründen der Logik nicht gleichzeitig einheimisch sein kann (s. Aristoteles; Satz vom Widerspruch), muss hier eine Doppelausheimischkeit vorliegen, der zwar ursprünglich eine Einheimischkeit zugrunde lag, die aber durch den steten Wechsel des Ausheimens von hie nach da und dort aus dem Blickfeld der Betrachtung geheimt ist.