Schlagwort: Sause für das Gute

Benefiz für Benefitte

Reißt das langsam ein hier in Varel? Benefizessen für den guten Zweck?

Den Anfang machte Frau Radziwill. Ein Wohltätigkeitschmaus im Alten Kurhaus. Worum ging es? Um des Malers und Tochtervaters Reputation und weiteren Veredelung durch pekuniäre Beiträge, gedacht als Unterfütterung der kuratorischen Aufarbeitung des Nachlasses wie auch der „Begehbaren Biografie“ des Wohnhauses Radziwill im Dangastischen, dem Jadebusen vorgelagert. Ruhm muss hergestellt werden, oder weiter  aufgeblasen, je nach Sichtweise. Weltweite Vermarktung gesichert. Und je mehr Aufmerksamkeit, je größer das öffentliche Erheischen & Gebrunze nach Publizität & Anerkennung, je lauter der Pudel, desto stärker steigt der Rubel, wollt sagen, der Wert der Werke.

Ein simples Vorgehen. Das Benefiz-Dinner (100 Euro pro Teller Geschmortes) sollte also Geld, so profan es klingt, in die Radziwillsche Vereinskasse spülen, ein hehrer Zweck, geht es doch um hohe Kunst. Wenn da nicht der Beigeschmack aufmüffelte, dass hier eine Wohtätigkeit in die eigene Tasche, und sei es als Nebeneffekt, tröpfelte. Siehe den oben beschriebenen Wertsteigerungsmechanismus.

Der Benefizsause zweiter Teil:

Möglicherweise angeregt durch die Radziwill-Benefitierung startet auch der Verein Ketaaketi durch, der sich der Unterstützung der „Ärmsten der Armen“ verschrieben hat, in Varel seinen Ausgang nahm und in seinem karitativem Wirken große Erfolge & Meriten verbuchen kann. Indes, die Suche nach den „Ärmsten der Armen“ hat mich etwas irritiert. Gefunden wurden „ärmste“ Kinder in Nepal ohne Schulausbildung. Nicht ganz einsichtig war mir, warum man bis nach Nepal reisen muss, um arme Kinder zu finden und seinen Wohltätigkeitsanspruch zu erfüllen.

Die Etikettierung „Ärmste“ scheint mir eh etwas zu vollbusig dahergeredet. Wer sich um die „Ärmsten“ kümmert (eine Steigerung der möglichen Armut scheint qua Definition nicht möglich) belegt sich im Umkehrschluss als „Wohltätigster der Wohltäter“. Dachte ich, aber dann habe ich von noch Ärmeren gehört, den „Allerärmsten“, in Afrika, und im Vergleich dazu klingt das Prädikat „Ärmste der Armen“ bescheiden und verschämt zurückhaltend.

Meinen Denkfehler gebe ich zu. Das kommt davon, wenn man einer vermeintlichen Sprachlogik vertraut.

Das Benefiz-Schlemmen mit Konzerteinlage kostet 35 Euro ohne Getränke. Hartz-IVer müssen draußen bleiben. 10 Euro geht als Benefitting an den Verein. Gut so. Deshalb mein Aufruf: Schlagt euch die Bäuche voll und spendet. Die „Ärmsten der Armen“ müssen die Umstände ja nicht erfahren.

 

 

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